Kyoto

Wenn man das Land Japan erwaehnt, fallen den meisten sofort Bilder von Kyoto ein. Das sind eben jene Bilder, auf denen man Tempel sieht, die von wunderschoenen roten Baeumen eingerahmt sind. Letztes Wochenende war es soweit: wir wollten und sollten dieses Wunder mit eigenen Augen sehen!

Nach dem Studium diverser Blaetterreports (ja, das gibt es wirklich :) ) kristallisierte sich das von Karel, Steffen und mir angepeilte Wochenende fuer den Trip als der perfekte Zeitpunkt, die Momiji (Japanisch fuer rote Blaetter) zu bestaunen. Also ein paar Tage vorher noch schnell das billigste noch verfuegbare Hostel gebucht und los gings.

480 Kilometer trennten uns von unserem Ziel, die wir ab Samstag frueh per Auto zuruecklegen wollten. Da wir leider noch kein Geraet fuer die Benutzung des Highways haben, mussten wir uns mit Landstrassen begnuegen. Zudem gibt es keine Blitzer – wo 40 erlaubt ist, ist es daher schon fast “normal”, 80 km/h zu fahren. Alles in allem hat die Fahrt trotzdem 12 Stunden gedauert (inklusive Pausen). Doch damit nicht genug: dort angekommen, fanden wir das Hostel nicht… zwei Stunden spaeter war es dann so weit.

Wie sich im Internet schon angedeutet hatte, war unsere Herberge extrem international – eine willkommene Abwechslung. Der Besitzer, Oliver, ist Brasilianer und war unglaublich lustig und freundlich. Fast jedes Mal, wenn wir das Hostel betreten oder verlassen haben, gab es erstmal einen kleinen Plausch. ;)

In mir erkannte er zudem einen sehr guten Freund, dem ich wohl in dessen juengeren Jahren zum Verwechseln aehnlich sehe. Fuer unseren naechsten Kyoto-Besuch hat er uns auf jeden Fall zu einem gemeinsamen Barbecue in seinem Garten eingeladen. :)

Unserer erster Besuch am Sonntag frueh galt dem Kiyomizudera. Das ist eben jener Tempel, den man auf den Japan-Fotos sieht. Meine erste Reaktion war jedoch Enttaeuschung: die Menschenmassen waren abzusehen, aber in den letzten wenigen Tagen mussten wohl die meisten Blaetter abgefallen sein. Allzu viel rot gab es daher leider nicht zu sehen.

Nachdem wir uns dort fotografisch doch einige Zeit ausgetobt hatten, ging es weiter zum Kriegsmahnmal Ryozen Kannon. Es wurde 1955 im Angedenken an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges errichtet.

Wenige Meter weiter liegt direkt der naechste Tempel, der Kodai-ji . Dieser beeindruckte durch alte japanische Gebaeude sowie sehr schoene Parkanlagen. Leider fing es dort bald an zu regnen. Nach einem kurzen (versehentlichen) Besuch auf einem Friedhof entschieden wir uns daher, ein wenig Shoppen zu gehen. Nach ausfuehrlicher Wegbeschreibung einer Tempel/Friedhofsgehilfin  quetschten wir uns also in einen der uebervollen Busse und machten uns auf ins Innere der Stadt.

Nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Shoppingtour (Auswahl gab es wirklich eine Menge) machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, um zu Abend zu essen. Fast eine Stunde spaeter fanden wir endlich eines, welches interessant klang. Mit anderen Worten: wir wussten, dass es keine Pizza, anderes italienisches Essen, unglaublich bombastisch gigantische Eisbecher fuer 160 Euro oder Burger mit Pommes gab, sondern hoffentlich japanisches Essen.

Wie ueblich nahmen wir zunaechst auf einigen Stuehlen in der Warteschlange Platz, da das Restaurant voll war. Nach wirklich langer Zeit konnten wir dann endlich eintreten. Und schnell wussten wir auch, warum es so lange gedauert hatte: man praesentierte uns eine handgeschriebene, englische Speisekarte mit einem Umfang von fuenf Seiten. Auf unsere Nachfrage stellte sich heraus, dass einer der Angestellten das komplette Menue flugs uebersetzt hatte.

Wir waren natuerlich voellig baff, haben uns glaube ich aber gut revanchiert. Ich denke es reicht, wenn ich erwaehne, dass wir in dem Restaurant ca. einen Drittel unserer gesamten Ausgaben fuer das Wochenende liessen. Es schmeckte aber auch wirklich sehr gut, war original Japanisch und wir als auch der Koch, die Kellnerinnen sowie ein paar Gaeste hatten eine Menge Spass. Einfach toll! :)

Nach einigen Heimwegproblemen (Bahnen und Busse fuhren keine mehr, also mussten wir wohl oder uebel ein Taxi nehmen) liessen wir den Abend dann in einem der aeltesten Onsen Kyotos ausklingen. Das ist einfach wie Himmel auf Erden: man ist sauber, unglaublich entspannt und kann danach super schlafen. ;) Dass ich ein Onsen-Fan bin, habe ich glaube ich bereits diverse Male erwaehnt – das werde ich in Deutschland wahrlich vermissen!!!

Am naechsten Morgen statteten wir vor der Heimfahrt schliesslich dem Kinkaku-ji, einen Besuch ab. Das war wirklich ein Highlight: hier gab es noch etliche Baeume, die in den schoensten Herbstfarben erstrahlten. Dagegen verblasste der goldene Tempel inmitten des kleinen Sees nahezu. Die schoen angelegten Parkanlagen taten da ihr Uebriges. Aber seht einfach selbst.

Dann also ging es wieder mit dem Auto Richtung Nagaoka. Gegen halb zehn Uhr abends gab es dann noch eine boese Ueberraschung:  wir alle drei hatten vergessen, dass wir noch vor neun tanken wollten, weil die meisten Tankstellen sonst schon geschlossen sind. Steffen hatte uns alle am Nachmittag sogar noch daran erinnert. So fuhren wir ploetzlich irgendwo mitten auf dem Land mit einem fast leeren Tank – und eine geschlossene Tankstelle nach der anderen huschte an uns vorbei. Schliesslich hielten wir in einem Konbini, um zu fragen, ob doch noch eine Chance bestuende.

Der Besitzer rief zunaechst seinen Sohn herbei, weil dieser etwas Englisch konnte. Erst hiess es, dass es keine offenen Tankstellen mehr gab. Man bot uns an, bei der Familie zu schlafen, da die Hotels wohl auch alle schon geschlossen waren – nur die Mutter (die der Besitzer mittlerweile auch herbeitelefoniert hatte) schien etwas widerwillig zu sein. Als wir dann sagten, wir haetten noch Benzin fuer ca 30 Kilometer, fiel der Mutter ein, dass es doch eine Tankstelle gaebe. Auf die Frage, wie weit diese entfernt sei, bekamen wir ein “30 Kilometer”zu hoeren. :D

Also bissen wir in den sauren Apfel und machten uns auf den Weg, nicht ohne eine kleine Wegzehrung in die Hand gedrueckt zu bekommen. Letztendlich erreichten wir unendlich froh die Tankstelle, die auch wirklich noch offen hatte. Etwas ungewohnt war das selber tanken schon, wir hatten frueher am Nachmittag aber schon ueben koennen. Normalerweise wird man an den Tankstellen komplett bedient. Da wird nicht nur getankt, sondern auch noch schnell das Auto gesaeubert. Und man muss dazu noch nichtmal aussteigen! :)

Zum Schluss noch ein kleiner Rat: kauft euch niemals, niemals eine Wurst im Konbini. Man koennte meinen, die waere als Snack gedacht, doch ich bin mit dieser offensichtlichen Annahme boese auf die Nase gefallen. Diese Wurst war in so unglaublich strapazierfaehigem Plastik eingeschweisst, dass wirklich keine Chance bestand, ohne ein Messer an den Inhalt zu kommen. Und glaubt mir, ich habe eine Menge versucht… ;)

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1 comment to Wochenende in Kyoto

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