Ich bin heute nach Niigata gefahren, um meinen Japan Railpass für die Reise mit Dian nächste Woche einzulösen. Der Hintergrund dazu: offiziell darf ich den Railpass gar nicht ausgestellt bekommen – dieser steht nur Touristen zu. Die Studentenrabatte bekomme ich aber auch nicht, weil ich einen Sonderstudentenstatus habe. Sprich: ich bekomme gar keine Rabatte, was angesichts der japanischen Bahnpreise nicht gerade lustig ist.
Also muss man eben tricksen: es hat sich herumgesprochen, dass das JR Büro in Niigata die Tickets einlöst, egal welchen Visa-Status man hat. Also ab nach Niigata. Nach einigem Abwägen habe ich mich entschieden, mit dem Auto zu fahren. Durch Wartezeiten wäre ich per Zug knapp schneller, hätte aber mehr als eine Tankfüllung zu bezahlen.
3 Stunden Fahrt insgesamt, also noch recht passabel. Dachte ich…
Denn keine halbe Stunde nachdem ich losgefahren bin, kam ich in einen Schneesturm. Richtig schwerer, dichter Schneefall, dazu starker Seitenwind aufgrund der flachen Landschaft links und rechts der Strasse. Daraus resultierend hat sich meine Fahrtzeit heute verdoppelt.
Man hat es mir aber auch echt nicht leicht gemacht:
Verschneite und vereiste Strassen; Eisbuckel- und Löcher; zugefrorene Scheibenwischer (gewischt haben sie, aber nichts WEGgewischt
); Stau auf Hin- und Rückfahrt; Schneeschippende Leute als auch Japanese-Style parkende Autos (= auf der Strasse parken und Warnblinker an – ist gang und gebe und unglaublich nervig) AUF der Landstrasse; mal besoffene Omi, mal Baggerfahrer vor mir; durchgehend Seitenwind und teilweise einfach KEINE Sicht. (Es sei denn, man bezeichnet ein weisses Wirrwarr vor sich als Sicht.)
Der Wind war mir aber nicht nur beim Fahren ein Ärgernis: im McDrive hat der wohl so gerauscht, dass man mein “Biggu Makku L – Setto” (zu Deutsch: BigMac-MaxiMenü) als “A-Setto” verstanden hat. Kostet zwar kaum etwas mehr, ist aber auf drei Personen ausgelegt. Blöd, wenn man alleine im Auto sitzt… ich hab immer noch einen Burger und Pommes über.
Am Ende war ich so fertig, dass ich mich in Nagaoka völlig verfranzt hab, weil ich noch ein paar Erledigungen machen wollte. Nachdem ich zwar die richtige Abfahrt zum gewünschten Geschäft genommen habe, aber scheinbar die Anfahrtshinweisschilder falsch gedeutet habe, war ich so genervt, dass ich beschloss, heim zu fahren. Sehr verwirrend wurde es dann aber als plötzlich die Brücke, die ich vor einiger Zeit überquert hatte, wieder vor mir auftauchte.
Nach einem kurzen Gespräch mit einem der netten Laserschwert-Männchen, die bei Wind und Wetter Ampelmännchen spielen (man verzeihe mir heute bitte meinen sarkastischen Beiton) wusste ich: irgendwie habe ich es geschafft, meine Fahrtrichtung um 180 Grad zu drehen und dabei gleichzeitig meinem Orientierungssinn vorzutäuschen, immer noch geradeaus zu fahren. Das mach mir mal einer nach!
Leider wusste der Herr nicht, wo meine Uni lag, aber immerhin wusste ich jetzt, in welche Richtung ich musste. Nämlich in die andere. Noch viel überraschter war ich dann, als das Geschäft, welches ich vorher verpasst hatte, vor mir auftauchte. Spätestens da war mir klar: mein Orientierungssinn hat heute zu viel Sake intus…
Immerhin konnte ich noch Einkaufen und habe dann auch nach hause gefunden.
Fazit des Tages:
- Japan Railpass eingelöst! YATTA!!!
- Nun offizieller Japanese Go-Kart-Fahrer (Go-Kart nenne ich gerne unseren knuddeligen Automatik-Wagen): im Alleingang erfolgreich alle oben genannten Prüfungen ohne Schaden an Körper und Kart absolviert
- Mental als auch körperlich ein Wrack (jetzt wollte ich eigentlich lernen…)
- Spassigster Moment des Tages: 8 Stockwerke im Parkhaus hochkreiseln - whhheeeeeeeeee
Und weil es so schön bescheuert ist, am Ende noch ein kleines Bild zur allgemeinen Erheiterung.























Lieber Lars,
Übung macht den Meister.

Viele Grüße
Papa